genemove_logo English | Deutsch Farbfelder
genemove_menu_bot
Studie zur Huntington-Krankheit
 

Suche nach modifizierenden Genen

Die Huntington-Krankheit (Huntington’s Disease [HD]) ist eine progressive neurodegenerative Krankheit, bei der Nervenzellen im Striatum und Cortex des ZNS absterben. Klinisch führt dieser progrediente Nervenzellverlust zu Symptomen wie Bewegungsstörungen, Wesensänderungen und kognitiven Leistungseinbußen (Demenz). Bei den meisten Betroffenen treten die ersten Symptome zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf. In 5-10% der Fälle manifestiert sich die Erkrankung jedoch bereits vor dem 20. Lebensjahr.

Seit 1993 ist es wissenschaftlich gesichert, dass HD durch ein verlängertes CAG-Repeat in Exon 1 des Huntingtin-Gens (4p16.3) verursacht wird. Dies führt zur Bildung einer verlängerten Polyglutaminkette im Protein Huntingtin. Im Allgemeinen nimmt dabei das Erkrankungsalter mit zunehmender Repeatzahl ab. Die Pathophysiologie von HD ist allerdings noch weitgehend unklar. Es besteht die Annahme, dass Huntingtin, das unter anderem in den striatalen Neuronen synthetisiert wird, mit einer verlängerten Polyglutaminkette seine Konformation ändert und dies zu einer toxisch wirkenden neuen Funktion führt („gain of function“). Trotz zahlreicher Forschungen ist die genaue Funktion des Proteins Huntingtin nicht exakt bekannt. Es spielt wohl eine Rolle in verschiedenen Stoffwechselwegen, beim Vesikeltransport und bei der Verankerung des Cytoskeletts. Zudem scheint Huntingtin möglicherweise für das Überleben der Nervenzelle wichtig zu sein.

In den letzten Jahren konnten allerdings zahlreiche Proteine identifiziert werden, die mit Huntingtin interagieren, d.h. in Wechselwirkung treten. Eine Mutation im Huntingtin-Gen führt zu einer veränderten Interaktion mit diesen Proteinen. Polymorphismen in den Genen dieser interagierenden Proteine müssen in Menschen ohne Mutation im Huntingtin-Gen keine Auswirkung haben. Bei gleichzeitigem Auftreten eines verlängerten CAG-Repeats in Huntingtin könnten sie allerdings zusätzlich das Krankheitsbild im Hinblick auf das Erkrankungsalter oder die Symptomatik modifizieren. Dies würde eine unterschiedliche Ausprägung der Krankheit und ein variierendes Erkrankungsalter bei gleicher CAG-Repeat-Zahl erklären.

In der vorliegenden Studie zu Huntington’s Disease wird nun eine Vielzahl von mit Huntingtin interagierenden Genen auf das Vorhandensein von Polymorphismen und deren möglichen Auswirkungen auf das Krankheitsbild untersucht. Kandidaten für solche „modifier genes" sind unter anderem HAP1 (huntingtin associated protein 1), HIP2 (huntingtin interacting protein 2), HIP14 (huntingtin interactin protein 14), BDNF (brain derived neurotrophic factor) oder CtBP (C-terminal binding protein). Diese Proteine sind bei Prozessen wie dem intrazellulären neuronalen Transport, der Organisation des Cytoskeletts, bei der Endocytose, dem Überleben der Zelle oder der Regulation der Transkription beteiligt.

Für die Studie im Rahmen von GeNeMove werden Patientenpaare untersucht, das heißt an HD erkrankte Geschwisterpaare oder betroffene Eltern-Kind-Paare. Kriterium für die Aufnahme in die Studie ist das Vorhandensein von Symptomen und der molekulargenetische Mutationsnachweis. Mit Hilfe dieser Studie sollen Ursachen variierender Krankheitsausprägungen bei HD gefunden werden, um schließlich die genaue Pathophysiologie der Erkrankung aufklären zu können.

Projektleiter: Prof. Dr. O. Rieß

Ansprechpartner: Dr. P. Bauer

Institut für Humangenetik
Universitätsklinikum Tübingen
Calwerstr. 7
72076 Tübingen

Tel.: 07071/29 72288

e-mail: peter.bauer@med.uni-tuebingen.de